Luftdichtheit
Dämmung wirkt nur, wenn die Luft dahinter bleibt. Luftdichtheit verhindert, dass warme Raumluft durch Fugen in den Aufbau strömt – und dort Feuchte und Wärmeverlust mitbringt.
Dämmung, Winddichtheit, Luftdichtheit
Drei Ebenen werden oft verwechselt: Die Dämmung bremst den Wärmestrom, die Winddichtheit schützt die Dämmung vor Durchströmung von außen, und die Luftdichtheit verhindert den Luftaustausch zwischen innen und außen über Fugen und Anschlüsse. Die Luftdichtheitsebene liegt in der Regel raumseitig; sie kann mit der Dampfbremse zusammenfallen, muss es aber nicht. Die Dampfbremse begrenzt die Diffusion von Wasserdampf; ob sie zugleich luftdicht ist, hängt von Material und Verarbeitung ab. Umgekehrt ist eine luftdichte Ebene nicht automatisch eine Dampfbremse.
Warum Luftdichtheit zählt
- Wärmeverlust: Durch Fugen entweicht erwärmte Raumluft, ohne dass die Dämmung sie zurückhält. Der Verlust hängt vom Druckunterschied und der Größe der Undichtigkeit ab.
- Feuchte im Aufbau: Die ausströmende Raumluft bringt Wasserdampf mit. Kühlt sie im Bauteil ab, kann Feuchte ausfallen – die Dämmung verliert Wirkung, Holz und andere Baustoffe können Schaden nehmen.
- Komfort: Zugluft und kalte Oberflächen werden als unangenehm wahrgenommen, auch wenn die Heizung ausreichend dimensioniert ist.
Die Luftdichtheitsebene planen
Vor dem Bauen wird festgelegt, wo die luftdichte Ebene verläuft – über Wände, Decken und das Dach, durch Anschlüsse an Fenster, Türen und Installationen. Wichtig ist eine durchgehende, nachvollziehbare Linie. Bauteile, die diese Ebene durchdringen, brauchen einen dichten Anschluss; dazu gehören Kabel, Schalter, Steckdosen, Rohre, Kamine und Dachfenster.
- Die Ebene möglichst einfach und ohne Umwege führen.
- Anschlüsse an Mauerwerk, Beton und Holz konstruktiv lösen, nicht nur kleben.
- Durchdringungen früh einplanen und in der Ausführung dokumentieren.
- Nach Fertigstellung prüfen, bevor die Oberflächen geschlossen werden.
Der Blower-Door-Test
Beim Blower-Door-Test wird ein Gebläse in eine Tür oder ein Fenster gesetzt und ein Druckunterschied zwischen innen und außen erzeugt. Gemessen wird, wie viel Luft nachströmt, um diesen Druck zu halten; üblich sind Messungen bei Über- und Unterdruck. Das Ergebnis wird als Luftwechselrate bei 50 Pascal (n50, in h−1) angegeben – also als Vielfaches des beheizten oder gekühlten Luftvolumens pro Stunde.
Für zu errichtende Gebäude nennt § 26 GModG Höchstwerte, wenn die gemessene Luftwechselrate in der Energiebilanz angerechnet werden soll: ohne raumlufttechnische Anlagen höchstens das 3-fache, mit Anlagen höchstens das 1,5-fache des beheizten oder gekühlten Luftvolumens bei 50 Pascal. Bei mehr als 1.500 Kubikmetern Luftvolumen gilt stattdessen das 4,5-fache bzw. 2,5-fache der Hüllfläche. Gemessen wird mit Über- und Unterdruck nach DIN EN ISO 9972:2018-12, Anhang NA.
Die Werte stehen in § 26 GModG (vorhanden und geprüft, siehe Quellenverzeichnis). DIN EN ISO 9972:2018-12 und DIN 4108-7 fehlen als Erstquellen; Einzelheiten des Messverfahrens sind hier daher nicht wiedergegeben.
Typische Fehler
- Die Luftdichtheitsebene – häufig die Dampfbremse – wird an Innenwänden oder Decken nicht weitergeführt.
- Steckdosen und Schalter werden ohne luftdichten Anschluss in die Außenwand gesetzt.
- Anschlüsse an Fenster und Dachflächen werden nur punktuell abgeklebt.
- Die Luftdichtheitsebene wird nachträglich durch Installationen durchstoßen.
- Die Ausführung wird nicht dokumentiert, sodass spätere Eingriffe die Ebene unbemerkt beschädigen.
Im Bestand
Bei bestehenden Gebäuden ist die luftdichte Ebene oft nicht bekannt. Eine Nachrüstung ist aufwendig, weil Bauteile geöffnet werden müssen. Sinnvoll ist eine schrittweise Prüfung bei ohnehin geplanten Arbeiten – etwa wenn Fassade, Dach oder Fenster saniert werden. Der Blower-Door-Test misst die Gesamtleckage; wo die Leckagen sitzen, zeigt eine Leckageortung – etwa mit Thermografie, Nebel oder Abtasten. Die Messung dokumentiert den Zustand vor und nach der Sanierung.